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Gemeinsam
Der Rat trat zusammen und die Königin der Vergessenen war mehr als nervös. Sie hatte eine Abmeldung zur Diskussion gestellt und der Rat wollte seine Meinung dazu kundtun. Noch nie war ihr etwas so wichtig gewesen und noch nie hatte sie sich auf ihr Herz so sehr verlassen wie an diesem Tag. Die Wolken vom Vormittag waren verschwunden, doch in ihrem Herzen waren sie noch immer anwesend. Was würde geschehen? Sie konnte es nicht vorhersagen. Natürlich war sie die Königin, ihr Wort galt, als gegeben, doch sie hatte von ihrer Mutter den Rat übernommen, so wie ihre Mutter zuvor. Dankbar sollte sie darüber sein, dass sie die weisen Männer der Stadt im Rücken hatte, doch heute fürchtete sie sich vor den Worten. Sie war vorgeprescht und hatte Hals über Kopf die Abmeldung angekündigt, ohne ihr Volk davon zu unterrichten. Das an sich war nicht so schlimm, doch bisher wurden solche Entscheidungen immer zusammen getroffen, diesmal hatte sie allein entschieden. Das Gefühl der Macht war berauschend, doch hatte es einen faden Beigeschmack. Ihr Gewissen sprach zu ihr und sie hörte, dass es falsch sei, ihr Volk so außen vor zu lassen, deshalb hatte sie den Rat im Nachhinein informiert und ihre Gründe für sie offen gelegt. Sie brauchte die Männer hinter sich um das Beste für die Vergessenen zu schaffen.
Der Morgen war wolkenverhangen und trübe gewesen, passend zu ihrer Stimmung. Diesen Tag, so hatte sie geschworen, wollte sie im Bett verbringen, doch dann fiel ihr ein, dass sie noch einiges zu erledigen hatte. Darunter fiel die Tagung zur Abmeldung. Eigentlich wollte sie ja auf Reisen gehen. Ihre Liebsten hatte sie schon lange nicht gesehen und ihr Herz zersprang beinahe vor Sehnsucht, doch sie war das erste mal an eine Pflicht in ihrem Königreich gekettet. In der Vergangenheit hatte sie alle Freiheiten, konnte tun und lassen was sie wollte, immer hatten die weisen Männer milde gelächelt. Sie war jung und ungestüm, das Ebenbild ihrer Mutter und so ließ sie sich von nichts und niemanden aufhalten. Doch auch sie war mit den Jahren einfach erwachsener geworden. In ihr und mit ihr war eine Veränderung geschehen. Längst nicht mehr wollte sie mit dem Kopf durch die Wand, sie wurde diplomatisch und zurückhaltend, wenn es erforderlich war. Eine Sache jedoch hatte sie niemals verloren. Es gab einen Mann, der über sie schmunzelte, wenn er sie sah. Sie war jugendlich im Herzen geblieben. Sie besaß die Gabe anderen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, wenn sie einfach nur einen Blick, der meist etwas scheues innehielt, zu ihrem Gegenüber warf.
Die Vergessenen waren immer ihre Heimat gewesen. Diese Worte hämmerten immer wieder durch den Kopf, der kleinen Königin. Sie kam sich in der Tat klein und so unwissend vor. Viel hatte sie gesehen, einiges erlebt. Doch niemals hatte sie etwas so nervös gemacht, wie diese Abstimmung. Mit leisen Schritten schlich sie zum Ratsgebäude. Ihr Herz schlug bis hoch oben zum Halse und sie spürte eine Übelkeit in sich aufsteigen. Mit wild klopfendem Herz schlug sie mit den Fäusten gegen das Tor. Es öffnete sich knarrend und drakonia blickte in einen freundlich eingerichteten Raum, in dem die weisen Männer des Rates saßen und Hühnchen und Trauben aßen. Sie lächelte, denn sie hatte mit schlimmerem gerechnet. Sicherlich, sie hatte das Ratsgebäude bauen lassen und war auch schon mehr als einmal hier drin gewesen. Doch heute hatte sie mit allem gerechnet. Sie ließ den Blick schweifen und der heftete sich an Hans_01. Sein Lächeln ließ ihr Herz in der Brust springen und sie wusste, dass der Rat ihre Entscheidung verstand. Sie hatte ihre Feinde um eine Ruhepause gebeten. Das jedoch ohne es mit ihrem Rat abzusprechen. Die Feinde hatten akzeptiert und so brachte sie es ihrem Rat bei. Sie mussten sich neu ordnen, sich sammeln und hatten viele Dinge zu besprechen. Es gab auch einige Blicke, die sich wie Ohrfeigen anfühlten. Jene Männer, die den Krieg liebten und die Pause nicht verstanden. Doch mit Hans' Lächeln stand fest, dass der Rat hinter ihr stand. Auch Churchill lächelte sie an und sein Blick ließ die Hoffnung in ihr keimen, dass die Männer immer für sie waren. Sie hatte einen großen Fehler gemacht, doch auch die Vergessenen hatten gelernt zu verzeihen. Sie standen hinter den Worten der Königin, denn sie wussten, dass die junge Frau ihr Leben für ihr Volk geben würde. Für den Frieden, würde sie alles gebe, alles was sie besaß. Für diese Weisheit hatte sie ihre Unschuld gegeben. Das innere Kind, würde sie stets begleiten, ein Kichern würde immer von ihren Lippen perlen. Doch sie war längst eine Frau die wusste was sie tat und die für ihr Volk alles Licht in ihr gab, damit ihr Volk überleben würde.
Sie trat vor den Rat und der Vorsitzende richtete das Wort an sie. drakonia. Wir haben beratschlagt und erkennen den Grund der Abmeldung. Sicher hast du vorschnell gehandelt, doch wir haben bisher die Entscheidungen zusammen getroffen und sollten uns wie ein Volk verhalten. Wir sehen, dass wir einige Dinge entscheiden müssen und die Verschnaufpause kommt uns gelegen, auch wenn wir eigentlich zu wenig und zu selten in den Krieg ziehen. Wir sollten uns schnell an das erinnern, was unsere Ahnen damals geschworen haben. Wir sollten wieder Fuß fassen und uns auf das besinnen, was uns wirklich wichtig ist. Treue, Ehrlichkeit und Loyalität unseren Verbündeten gegenüber.
drakonia schmunzelte. Sie war dankbar über die Entscheidung und da sie nun gefallen war, konnten sie an der Sache arbeiten, die für die Abmeldung grundlegend war. Sie würde dem Rat eine Liste vorlegen, mit Dingen, die verändert werden mussten und zusammen würden sie es schaffen. Es gab Tage, da war das Leben der Königin einfach und recht trist. Doch dann waren da diese Tage an denen sie spürte, wie lebendig sie war.
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Autor: Gastautor
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