- Redakteure
- Conquerus
- drakonia
- Ivan der Schreckliche
- Lara-Sophia
- Painlady
- Polska
- Porreefuzius
- Priscylla
- Rael_Steinbrecher
- SirHenry_II
- Tirgatao
|
|
Drachenherz Kapitel 5
Begegnungen
Warmer Regen prasselte auf die Felsen nieder. Ein lauer, nach Moos und Erde duftender Wind wehte vom Tal her und brachte die Blätter der frühlingsblühenden Bäume zum rascheln.
Nachts wurde es noch empfindlich kalt in diesem Landstrich, doch tagsüber war es selbst auf diesen Höhen angenehm. Auch jetzt, trotz des Regens.
Hunger plagte ihn und es ging sicher bereits auf Mittag zu. Doch seine Vorräte waren erschöpft und mehr als etwas Brot und Pökelfleisch hatte er nicht mehr.
Doch weit und breit hatte er kein Dorf, ja nicht einmal eine Hütte gesehen.
Sein Pferd hatte es da besser.
Frisches Gras konnte es in Hülle und Fülle fressen.
Der schmale Pfad, auf dem er ritt war gesäumt von Wiesen und Wald, doch mehr als ein paar scheue Kaninchen, ein paar Käfer, ein Murmeltier und in der Ferne einige Vögel hatte er heute noch nicht gesehen.
Allerdings hatte er vor kaum einer Stunde Spuren von Pferden entdeckt, die hier entlang gekommen waren. Der Regen hatte ihre "Hinterlassenschaften" noch nicht weggespült.
Vielleicht würde er also doch noch ein Dorf finden wo er seine Vorräte auffrischen konnte.
Der dunkelhäutige Mann grunzte bei dem Gedanken an diese verweichlichten Geschöpfe, die, wegen ihrer Unfähigkeit zu jagen sesshaft geworden waren, und jetzt Pflanzen aßen. Und darauf waren sie auch noch stolz!
Oh, wie sehr er sie verachtete und wie sehr er es hasste, wie sie erschreckt aus ihren Bretterpferchen herausstarrten, die sie Häuser nannten, wenn er ins Dorf hineinritt.
Die Kunde von der Art und Weise, wie sein Volk sich seit Jahrhunderten hartnäckig gegen jegliche Eroberungsversuche zur Wehr setzte, hatte sich auch in diesem Winkel der Welt herumgesprochen.
Man erzählte sich abends am Kaminfeuer von den Wilden Ostländern, die keinem König dienten, keinem Kaiser unterstanden und in deren Landen keine Straßen existierten.
Und obwohl er seit fast neun Monden nichts anderes tat, als zu versuchen, die Steppen, in denen er geboren war, möglichst weit hinter sich zu lassen, war er dennoch stolz auf seine Herkunft. Und gleichsam mit Zorn erfüllte es ihn jedes Mal, wenn er diese furchtsame Reaktion beobachtete.
Er hätte alles darum gegeben, zurückkehren zu dürfen - fast alles.
Denn der Preis für seine Heimkehr war zu hoch: sein Leben.
Ein Zurück gab es für einen Ausgestoßenen wie ihn nicht.
Er wusste, dass die Dörfler ebenfalls auf ihn herabsahen, ihn als "Wilden" betrachteten, weil er nicht so verweichlicht war wie sie. Sollten sie an ihrem Glauben festhalten!
Er hielt sich sowieso nur dann in diesen Dörfern auf, wenn er tatsächlich etwas erwerben musste, das er nicht alleine herstellen konnte.
Und das kam selten vor und dauerte niemals lang.
Er ritt meistens bis zur größten Hütte, stieg ab, warf ein Bündel Felle vor die Füße der verängstigten Bewohner, und wenn diese sich dann mit leuchtenden Augen aus ihren Hütten trauten, um ihre verfetteten Finger in das weiche Fell seiner Beute zu graben, brauchte er nur noch zu sagen, was er brauchte.
Dann trollten sich diese Kreaturen sofort, suchten zusammen, was er verlangte, bevor sie die Felle ins Innere ihrer Käfige schleiften, die sie um sich selbst herum gebaut hatten.
Allerdings glaubte er selbst nicht so ganz daran, demnächst auf ein Dorf zu stoßen. Es fehlten die Zeichen, die diese Kreaturen der Natur bereits eine halbe Tagesreise entfernt von ihren Käfigen aufdrückten: Getötete Raubtiere, verschiedene eingetretene Trampelpfade, Sträucher, deren Beeren restlos abgepflückt waren, oder Baumstümpfe. Lediglich zwei Fallen, die er in der Nähe des Weges gefunden hatte, waren seltsam. Sehr gut getarnte Fallen. Und keine um nur Kaninchen zu jagen.
Diese Fallen hatte jemand ausgelegt, der größere Tiere fangen wollte.
Die Gegend war bekannt für Gebirgstiger und Winterwölfe. Man hatte ihn sogar gewarnt, dass hier bereits Drachen gesehen worden waren.
In den Städten, unten in der großen Ebene zahlte man viel Geld für ein weißes Tigerfell und noch mehr Geld, um einen echten Winterwolf in der Arena von Dwantir zu sehen.
Aber auch das hatte ihm nur eine dieser vorlauten Kreaturen erzählt, denn er wusste: Selbst wenn er diese Ansammlungen von Käfigen näher kommen wollte, sie würden ihn nicht lassen. Waren erst einmal genug Käfige auf einem Haufen, reichte es offenbar nicht mehr, nur sich selbst einzusperren. Dann bauten sie auch noch ein Gatter um sich herum, so dass sie nur einen, vielleicht zwei Wege hatten, um aus ihrem Gefängnis zu entkommen.
Auf der anderen Seite verhinderten sie natürlich auch, dass jemand hineinkam, vor dem sie sich fürchteten - wie ihm selbst.
Dann schlossen sie die Gatter und sperrten sich lieber selbst ein, anstatt sich ihm zu stellen, wie es ihre Aufgabe gewesen wäre!
Er schnaubte unwillkürlich bei dem Gedanken an diese feigen Kreaturen, die es lieber den Kaninchen nachtaten, anstatt sich einem Mann in den Weg zu stellen und nach seinem Begehr zu fragen.
Aber er wusste, warum sie sich im letzten Dorf so verhalten hatten. Die Käfige und Gatter hatten sie erst gebaut, nachdem sie ihre Ehre verloren hatten. Deshalb waren sie auch zu feige, sich ihre Nahrung zu erjagen wie Männer. Stattdessen gruben sie lieber in der Erde...
Er war in Gedanken versunken, als er durch das Regenprasseln etwas hörte.
Sein Pferd blähte die Nüstern.
Es wirkte auf einmal nervös.
Weiter vorne hörte er seltsame Geräusche.
Vielleicht wieder eine Falle? Vielleicht hatte sich ein Tier dort verfangen?
Mit ruhigem Schenkeldruck trieb er das Pferd vorwärts. Er bedauerte das gefangene Tier jetzt schon. Mit einem Hinterhalt seiner Ehre beraubt und damit seinem Recht, sich gegen den Feind zu behaupten... Vielleicht lebte es ja noch, dann konnte er ihm die Freiheit schenken. Wenn es dann ihn selbst auswählte, um sich für seine verlorene Ehre zu rächen - er war bereit. Dann war das Tier wenigstens ehrvoll gestorben und konnte beruhigt zu den Ahnen zurückkehren.
Wie er diese Fallen kannte, war es aber wahrscheinlich schon tot - oder so gut wie. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als die arme, gequälte Seele zu erlösen, und sie zu opfern, um die Ahnen um Gnade für dieses entwürdigte Geschöpf anzuflehen. So könnte es vielleicht doch noch Ruhe finden...
Da - durch die Schlieren des Regens konnte er das dunkle Loch im Boden entdecken, ein Stück abseits der Straße. Wahrscheinlich war es mit Zweigen und Laub bedeckt gewesen, um es zu tarnen... und irgendeine arme Seele war darauf hereingefallen. Er stieg ab, ließ seinen Bogen an seinem Platz am Sattel, lockerte statt dessen das lange Messer an seinem Gürtel.
Vorsichtig überwand er die letzten Meter bis zu dem Loch, blickte über den Rand in die Tiefe - und begann zu lachen.
Er lachte laut und lange. Nicht über das blutverschmierte Fellbündel, dass in einer Ecke des Loches lag, offensichtlich tot. Er lachte über die Klinge, die in der Mitte der Grube lag, und über den groben Umrisses eines Beines, das er in der Grube erkennen konnte.
Der wohl äußerst ungeschickte und offenbar abgestürzte Jäger, dem Klinge und Bein gehörten, musste an der direkt unter ihm liegenden Wand der Grube sitzen, oder vielleicht auch liegen - unsichtbar im Schatten verborgen, solange er auf dieser Seite blieb.
"Hey, was gibt's da zu lachen?! Hol mich hier raus!", tönte es einigermaßen wütend aus dem Loch, was nur zu einem neuerlichen Lachanfall führte. Jetzt fingen sich diese Feiglinge sogar selbst in ihren Fallen! Das war einfach zu köstlich.
Er war schon versucht, sich einfach umzudrehen, und den Anderen in diesem Loch verhungern zu lassen, wie es einem Feigling gebührte. Doch die Tatsache, dass eine gezogene Klinge im Loch lag, von der das Blut noch nicht ganz abgewaschen war, überzeugte ihn vom Gegenteil. Scheinbar hatte die Person, die inzwischen einen ganzen Wust von Beschimpfungen heraufbrüllte, zumindest noch ein Fünkchen Ehrgefühl behalten und sich dem Tiger in direktem Kampf gestellt.
"Beruhigen. Ich hole Seil", radebrechte er, mit einem wohl fürchterlichen Akzent. Er verstand zwar die Sprache dieser Leute ganz gut, aber die Laute die sie verwendeten, waren einfach nicht für seine Kehle gemacht, die hauptsächlich Klick - und Zischlaute gewohnt war.
Schnell war er bei seinem Pferd, befestigte ein Ende des Seiles am Sattel und warf das andere in die Grube.
"Festhalten. Ich ziehen!", rief er, und gab dem Anderen noch ein paar Sekunden Zeit, um das bereits vom strömenden Regen glitschige Seil zu greifen.
Mann war der schwer! Er musste, jedes Mal wenn er den Anderen ein Stück hochgezogen hatte, sein Pferd rückwärts treiben, alleine hätte er dieses Gewicht niemals halten können. Aber nach kurzer Zeit schien der Fremde mitzuhelfen, dann ging es leichter und schon bald schauten Arme aus dem Loch heraus. Mehr konnte der Mann aus der Steppe nicht ausmachen, denn es regnete Mittlerweile so sehr, dass man kaum mehr die eigenen Füße erkannte.
Doch als auch ein Kopf und Oberkörper in Sicht kamen und plötzlich etwas dunkles, Großes keuchend aus dem Loch heraus kletterte, scheute und stieg sein ohnehin schon nervöses Pferd laut wiehernd. Mit einem Ruck beförderte das Seil dann auch den Rest des Körpers in einem hohen Bogen aus dem Loch heraus, welcher recht unsanft auf dem vom Regen aufgeweichten Boden aufkam.
Es dauerte einige Sekunden, bevor er sein Pferd wieder soweit unter Kontrolle hatte, dass er seine Aufmerksamkeit von seinem immer noch nervös tänzelnden Pferd abwenden konnte, um nachzusehen, ob der kurze Flug dem Abgestürzten sehr geschadet hatte.
Der Steppenreiter blickte zu der immer noch am Boden liegenden Gestalt und erschrak.
--------------------------------------------
"Dafür, dass du mich so ausgelacht hast, könntest du etwas weniger erschrocken dreinsehen!", entfuhr es Drew, doch schon sofort darauf bereute er, was er gesagt hatte.
Das dort war ein Steppenkrieger - weit weg von zu Hause, aber er kannte Geschichten über dieses legendäre Volk. Und verspotten lassen würden sie sich nicht.
Außerdem war er eindeutig in der Defensive. Sein Schwert lag immer noch da unten und er saß mit gebrochenem Bein auf dem Boden im Matsch.
Einen normalen Menschen hätte er vielleicht dennoch mit bloßen Händen getötet. Nicht aber so einen.
Dieser Mann war in der Lage ihn zu töten. Selbst in gesundem Zustand. Selbst dessen Pferd hatte mehr Respekt vor ihm als Angst vor Drew, denn es hatte sich wieder beruhigt und der Mann saß ruhig darauf.
Eine Weile lang sagten weder er, noch der fremde Krieger etwas.
Lange genug, damit Drews unbedachte Worte vergessen waren. Sie musterten sich.
Dann schien der Fremde zu dem Schluss zu kommen, dass Drew in seiner jetzigen Situation keinerlei Gefahr darstellte.
Mittlerweile hatte er sich aufgesetzt. Unter Schmerzen zwar, und aufstehen konnte er auf keinen Fall, aber er würde unter keinen Umständen ein leichtes Opfer sein, falls der Fremde beschloss ihn zu töten.
Als der Krieger allerdings nichts in dieser Hinsicht unternahm, war Drew klar, dass der Mann tatsächlich soviel Ehrgefühl hatte, wie man seinen Leuten nachsagte.
Wehrlose Opfer zu töten war eine Schande in deren Augen.
Drew fragte sich, ob er wohl einen neuen Freund gefunden hatte, doch noch ehe er ein Wort des Dankes an den Mann richten konnte, nahmen seine empfindlichen Ohren wiederum Geräusche wahr.
Er hörte weitere Pferde. Und sie kamen rasch näher. Das Prasseln des Regens und das Windrauschen hatten verhindert, dass er sie - wie sonst - längst gehört hatte.
Acht Pferde. Mit acht gut bewaffneten Männern, die Armbrüste bei sich hatten, wie er schwer vermutete.
Das Reittier des Kriegers hatte sie ebenfalls bemerkt und der Mann hob alarmiert den Kopf und lauschte, als er die neuerliche Nervosität seines Tieres spürte.
Drew hatte den Jagdtrupp schon einmal gesehen. Diese Männer konnten einen ausgewachsenen 3½ Meter großen Winterwolf fangen. Sie waren es gewöhnt Bestien zu erlegen.
Er würde keine Chance haben.
Schon jetzt bereute Drew es, dass er so schnell eingewilligt hatte freiwillig nachzuforschen, was für Menschen neuerdings am Rand ihres Jagdgebietes herumstromerten.
Zweimal schon waren diese Jäger in der Nähe der Stadt der Drachenmenschen gewesen und zweimal hatten diese beschlossen sich zurückzuziehen.
Aber als die Menschen nach wenigen Monaten erneut aufgetaucht waren, hatte der Rat der Ältesten beschlossen, dass man Kundschafter aussenden sollte.
Und er Idiot hatte sich freiwillig gemeldet.
Er hatte zunächst beobachtet und schnell gemerkt, dass diese Jäger professionelle "Monsterfänger" waren.
Und er war in eine der Fallen getappt, wie ein Tier, als er von diesem Gebirsgtiger überrascht worden und mit ihm in die Grube gestürzt war.
Der fremde Krieger, der ihn gerettet hatte, hatte schnell und besonnen gehandelt, als auch er die Pferde gehört hatte. Der Mann riss seinen Bogen aus der Halterung und sein Pferd machte einen gewaltigen Satz zur Seite. Direkt auf den Verletzten zu. Doch Drew blieb kaum Zeit, sich deswegen Sorgen zu machen, schon gruben sich die Hufe des Tieres keine Handbreit von seinem verletzten Bein entfernt in den Boden.
Auf die Sehne des Bogens war wie durch Zauberhand während des kurzen Sprunges ein Pfeil gewandert, dessen gefiedertes Ende der Krieger nun mit zwei Fingern fast spielerisch umschloss. Seine Augen blickten direkt in die Richtung, aus der die Pferde kommen mussten, den Bogen jedoch, hatte er auf den Boden neben sich gerichtet - nicht auf den Verletzten, sondern halb erhoben, sodass der Pfeil, würde er so abgeschossen, sich wohl etwa 3 Schritt weiter in den Boden versenken würde.
Die Fesseln des Tieres zierte ein Büschel längeres Fell, charakteristisch für die Tiere der Steppenkrieger. Dass sie tadellos gepflegt, und sorgfältig zurechtgestutzt waren, bewies endgültig die Herkunft des Kriegers.
In der Steppe herrschte der Glaube, dass diese Fellbüschel die empfindlichen Fesseln der Pferde auf magische Weise schützten, und ihnen zusätzliche Kraft und Schnelligkeit verliehen. Der Wert eines Tieres wurde am Zustand dieser Körperpartie gemessen, und ein Krieger, der die Pflege dieser vernachlässigte, war dem Tod geweiht.
Drew wusste nicht mehr genau woher es diese Dinge wusste, doch er war in seinem früheren Leben viel herumgekommen.
Ein lautes Krachen riss den Verletzten allerdings aus seiner Betrachtung, als acht Pferde samt Reiter aus dem Dickicht brachen, ohne Rücksicht auf das dichte Gestrüpp. Laute Triumphschreie waren zu hören und der am Boden Sitzende fürchtete einen Moment, der Krieger neben ihm könnte tatsächlich die Dummheit begehen und angreifen, doch er starrte die schnell Näherkommenden nur wie versteinert an - und auch sein Pferd schien plötzlich völlig ruhig, bewegte sich nicht einen Zentimeter.
Das Pferd schirmte ihn momentan halb ab, aber nicht lange, denn die fremden Reiter erfassten die Situation sofort.
Sie sahen die Grube, den toten Tiger, Drews Schwert, Drew am Boden sitzend und den mit dem Bogen bewaffneten Steppenreiter und ahnten wohl was passiert war, sie griffen an.
Ihre Chancen standen gut.
Sofort war ihnen klar gewesen, was für ein Fang ihnen da ins Netz gegangen war. Ein wehrloser, verletzter Geflügelter und ein Barbar aus der Steppe. Sie glaubten ihm beikommen zu können. Und Drew glaubte das auch. Das waren acht gegen zwei und er war praktisch wehrlos.
Trotz aller Schmerzen versuchte er auf die Beine zu kommen, aber es ging einfach nicht. Sein Bein war unbeweglich und trug sein Gewicht nicht.
Die Reiter begannen auszuschwärmen, während der Steppenkrieger immer noch unbewegt auf seinem Pferd saß, nicht einmal mit der Wimper zuckte.
Die Angreifer ließen keine Sekunde verstreichen. Sie waren ausgeschwärmt, und schickten sich un an, sie einzukreisen, während einer von ihnen brüllte:
"Ich will sie Lebend! Das gibt das Kopfgeld unseres Lebens!"
Daher wehte also der Wind. Naja, kein Wunder. Gleich zwei außergewöhnliche Exemplare auf einem Fleck.
In der Arena von Dwantir, der nächsten großen Stadt, soviel Drew mittlerweile wusste, würden sie Beide sicherlich einen wahnsinnigen Preis erzielen.
Das Publikum lechzte nach Kämpfen mit ungewöhnlichen Protagonisten! Selbst ein Dutzend Tiger war wahrscheinlich nicht so viel wert.
Verzweifelt mühte Drew sich, doch noch auf die Beine zu kommen, während sich der Kreis der Reiter schloss. Das siegessichere Grinsen überall um ihn herum machte ihn noch nervöser, als er ohnehin schon war. Und langsam rückten ihre Angreifer vor.
Er blickte nach oben. Wollte dieser wunderliche Kerl nicht endlich etwas tun? Sich kampflos zu ergeben passte nun wirklich nicht zu einem Steppenreiter. Das wussten auch die Angreifer, und zogen daraus den - hoffentlich - falschen Schluss. Denn sie fingen an, mutiger zu werden und verhöhnten den Steppenkrieger. Sie waren sich ihres Sieges offensichtlich sehr sicher. Und nur Drew, der dem Fremdling am nächsten stand, sah die unmerkliche Veränderung in dem Fremden.
Das ließ keinen Steppenkrieger kalt.
Es war nur ein kurzes Zucken des Augenlids, aber es beruhigte Drew ungemein. Irgendwie war er sich plötzlich sicher, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen war. Und im stillen verfluchte er sich dafür, sein Schwert unten in der Grube gelassen zu haben. So war er zu nichts zu gebrauchen.
Die Reiter stiegen ab, und kamen nun vorsichtig zu Fuß auf sie zu. Der Erste war kaum mehr zwei Schritt von Drew entfernt - da ließ der Steppenkrieger den Bogen samt Pfeil einfach fallen.
Es passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Einer der Angreifer schrie etwas warnendes, aber der Warnschrei ging in einen fürchterlich klingenden Schmerzenslaut über, denn das Pferd des Steppenkriegers hatte plötzlich von Boden abgehoben, schlug vorne und hinten aus und traf zumindest mit einem Vorderhuf den Anführer, der auch geschrien hatte, von unten am Kinn.
Der Reiter ließ sich, als das Pferd am höchsten Punkt seines Sprunges für einen Moment wie Schwerelos verharrte, einfach vom Pferd gleiten, zog im Fallen ein riesiges Messer und stürzte auf den Angreifer hinab, von dem Drew bisher Dank des Pferdeleibes nur die untere Körperhälfte hatte sehen können.
Und auch Drews geschulter Kampfgeist erkannte die Chance sofort. Er pflückte den fallenden Pfeil von der Sehne, warf sich mit aller Kraft herum und bohrte den Pfeil durch den schweren Lederstiefel eines weiteren Angreifers hindurch, noch eine Handbreit in den Boden. Befriedigt hörte er noch den Schmerzensschrei, bevor ihn etwas hartes mit solcher Wucht am Kopf traf, dass die Welt um ihn herum verblasste.
(c) Susanne Forster & Tjörn Sinzig
Kontakt: www.boronk.de oder www.virtualwords.de
Nach oben
|
Autor: Gastautor
Der Gastautor wird als Pseudo-Autor für Artikel verwendet, die nicht von GB-Redakteuren stammen.
Der eigentliche Autor wird gewöhnlich unter dem Text genannt. Außer es handelt sich um einen anonymen Artikel.
Fragen zu diesen Artikeln könnt ihr gerne mit einer E-Mail an die Redaktion stellen.
Druckversion


|