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Drachenherz
Liebe Leser des Götterboten,
dies ist eine Fortsetzungsgeschichte, die ich über Beziehungen organisiert hab. Sie stammt von einem jungen Autorenteam, welches schon mehrere Bücher zusammen geschrieben hat, meist als e.book bereits auch veröffentlicht.
Ich wünsche allen viel Spaß beim schmöckern, und verspreche, der Titel hält was er verspricht, und die Folgen folgen zahlreich.
Einen Dank an die Autoren des Romans!
mfg Lara-Sophia
Drachenherz
Kapitel 1 - Erwachen
Ein Gedanke glomm auf und erlosch wieder.
Zeitlose Dunkelheit.
Stille.
Für einige Momente regte sich ein Bewusstsein, doch glitt es wieder davon, noch ehe ein Gedanke gefasst werden konnte.
Ein Gefühl dämmerte langsam, sickernd aus der Finsternis, formte sich zu unbestimmter Verwunderung über das "Wer bin ich?".
Zäh und träge stiegen weitere Gedanken auf und manche entglitten ihm wieder, so als würde er in tiefem Schlaf liegen und erst langsam erwachen.
Er versuchte die Bruchstücke festzuhalten und nur mühsam gelang es ihm sich selbst bewusst zu werden und er konnte sich fragen, ob er wohl wach war oder noch schlief.
Eine Weile kämpfte er darum sein Denken nicht wieder in der Finsternis versickern zu lassen und selbst nach einer geraumen Zeit, gelang es ihm noch immer nicht seinen Körper richtig zu fühlen.
Es war, als wären alle seine Gliedmaßen eingeschlafen und er konnte sich nicht einmal genug bewegen um herauszufinden was los war.
Seine Welt bestand aus nichts weiter als tiefster Dunkelheit und seinen eigenen träge dahingleitenden Gedanken.
Für eine Weile genügte es zu wissen, dass er immerhin am Leben war und keine Schmerzen hatte, doch dann kamen bohrende Fragen.
'Was ist geschehen?'
'Wo bin ich?'
'Wieso sehe ich nichts?'
Für eine quälend lange Zeit versuchte er der Furcht standzuhalten, doch dann gewannen Angst und Sorge die Oberhand.
Er wusste er würde verrückt werden, wenn es ihm nicht gelang herauszufinden, wieso er gelähmt und blind da lag.
Lag er denn überhaupt?
Und wenn ja, wo?
Er konnte die Zeit nicht messen, denn obwohl er nach einer Weile anfing Sekunden zu zählen kam er nie sehr weit, da sein Geist in noch dunklere Regionen driftete und er wieder für eine Weile döste.
Wachen und Schlafen lösten sich einige Male ab, doch es änderte sich nichts an seinem Zustand.
Er konnte nicht einmal schreien. Obwohl er es am liebsten getan hätte.
Ein schleichender Wahnsinn ergriff ihn, während die Gedanken zusammenhangloser wurden und die Zeit verrann.
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Irgendwann fand er eine neue Beschäftigung:
Er erinnerte sich.
Die Erinnerungen an sein Leben kamen zuerst wirr und bruchstückhaft.
Eine Kindheit in vielen facettenreichen Farben.
Ein Hof, Ställe, ein Wald, wütende Stürme die in der kalten Jahreszeit Ziegel vom Dach fegten, warmes Kaminfeuer, harte Arbeit, spielende Kinder, die Stimme seiner Mutter, die ihn liebevoll "ihren kleinen Drew" nannte.
Mit der Zeit folgten mehr Erinnerungen, an feine Einzelheiten, die er glaubte längst vergessen zu haben.
Da war eine Familie gewesen. Mutter, Großmutter, Vater, Geschwister.
Drew erinnerte sich an Großmutters Geruch, an die Falten im Gesicht der Mutter, als auch diese älter wurde, an den Tod eines Bruders, an Markttage im nahen Ort.
Es war ein einfaches Leben gewesen, nicht immer glücklich, geprägt von der harten Arbeit einer Bauernfamilie.
Er war 12 gewesen, als er verstanden hatte, dass er kein Bauer war und nicht wie seine Geschwister.
Er war stärker gewesen, schneller und - obwohl er versuchte es zu verbergen - wissbegieriger.
Zuerst hatte es ihn bedrückt, dann stolz gemacht. Aber ehe von Stolz getrieben etwas wirklich Schlimmes hatte passieren können, war er zu einem Lehrmeister gegeben worden.
Dieser Mann hatte ihm vieles beigebracht.
Lesen, Schreiben und sogar Rechnen, obwohl er nie besonders gut darin gewesen war.
Und er hatte gelernt ein Schwert zu führen. Dann auch andere Waffen.
Manche Menschen waren nicht dazu geboren Bauern zu werden, hatte er mit 15 begriffen und den elterlichen Hof für immer verlassen um das Leben eines "Schwerttänzers" zu führen.
Danach waren seine Erinnerungen undeutlich, so als wären jene, die am weitesten zurück lagen, ihm jetzt am nächsten.
Drew fing an sich zu fragen ob er tot war. Wenn man starb, so hieß es, zog das Leben noch einmal an einem vorbei.
Das Leben eines "Schwerttänzers" war gefährlich.
Aber es gab keine Erinnerung an sein "Ende".
Aber er würde geduldig warten. Jetzt wo in der Schwärze die Erinnerungen aus seinem Leben aufblühten, konnte er die reglose Finsternis ertragen.
Die Erinnerung an die erste Frau - nein, ein Mädchen noch - beeindruckt durch seine Muskeln, mochte er besonders. Hätte er gekonnt, hätte er gelacht.
Dann, als die Erinnerungen an sein Leben klarer wurden und ihm abenteuerreiche Kurzweil boten, störte etwas seine Ruhe.
Während er sich an Schrittfolgen, Kämpfe mit Kreaturen und den Verlust von Freunden erinnerte, konnte er zm ersten Mal auch etwas sehen:
Ein kaum wahrnehmbares violettes Licht, das die Schwärze nicht verdrängen konnte, doch es war keine Einbildung.
Und das Licht änderte sich. Zuerst verschwand es nach einiger Zeit, die sich wie Stunden anfühlten, so dass er dachte, er hätte es sich vielleicht doch eingebildet.
Doch es kam wieder. Langsam und dennoch stetig, blieb eine ganze Weile und "dämmerte" wieder nach einigen langen Stunden, die ihm wie Tage vorkamen.
Und nachdem es dreimal verschwunden und wiedergekehrt war, wusste der Krieger, dass dies tatsächlich Tage und Nächte sein mussten.
Sein Zeitgefühl kehrte wieder.
Und die Gewissheit, dass er sehen konnte nahm die in ihm immer wieder aufkeimende Furcht.
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Zwei Tage später spürte Drew, dass die bisherige Stille nun ebenfalls zu Ende war.
Seine Ohren nahmen leise, gedämpfte Geräusche wahr.
Zunächst verstand er sie nicht einzuordnen.
Es dauerte lange, bis er sie als das erkannte, was sie waren:
Schnauben, Brüllen, das Pfeifen von Wind, Fauchen und... das Geräusch mächtiger Flügel. Er hatte solche Geräusche bereits gehört. Doch nicht im Guten, wie ihm schien.
Konzentriert lauschte Drew so lange er konnte, und das - so merkte er schnell - war nie lange. Er schlief oft ein.
Doch er hörte das Geräusch des leisen Fauchens oft, seltener ein lautes Schnauben und das ohrenbetäubende Brüllen nur zweimal in vielen Tagen.
Doch jeden Tag vernahm Drew das Geräusch von riesigen schlagenden Schwingen im Wind.
Drachen?
Doch wo waren sie? Und wo befand er sich? Er musste ihnen unglaublich nahe sein.
Viel zu nahe für seinen Geschmack. Ein Wunder, dass sie ihn noch nicht entdeckt hatten, so hilflos wie er dort lag war er ein "gefundenes Fressen".
Aber bewegen oder gar fliehen konnte er sich noch immer nicht.
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Dann kehrte das Gefühl in seine Glieder zurück.
Das Erste, das Drew fühlte war Schmerz in seinem linken Bein. Als der Schmerz aufwallte, trat er wie von allein zu, ein Reflex der tadellos funktionierte. Er hatte etwas getroffen.
Doch sein Körper gehorchte ihm sonst in keinster Weise.
Und dennoch wurden die Nuancen des Fühlens jetzt intensiver. Wenn er nun wach war, klammerte er sich nicht länger an Erinnerungen.
Im Gegenteil, der Schwerttänzer, den er in seinen Erinnerungen sah, tat alles um die Kontrolle über seinen Leib zu erlangen, der sich hartnäckig weigerte zu tun was er wollte. Obwohl er jetzt ein Kribbeln in Armen und Beinen spürte, das ihm klar deutlich machte, dass er noch immer einen echten Körper hatte, gelang es ihm aber auch nach vielen Bemühungen noch nicht, sich koordiniert zu bewegen.
Erstaunt nahm er wahr, dass sein Körper mehrmals am Tag gekippt wurde, als befände er sich nicht auf festem Grund. Drew spürte ebenfalls wieder, wie sich um ihn herum etwas bewegte. Manchmal wurde er direkt berührt und dann schaffte er es zum ersten Mal eine Hand ein wenig auszustrecken, bis er fühlte, dass sie an etwas anstieß.
Der ehemalige Krieger tastete darüber und fühlte weiche, warme Haut?
Und dann bewegte sich Etwas direkt neben ihm.
Er war nicht allein! Tastversuche in die Richtung schlugen jedoch fehl. Nur zufällig streifte seine Hand etwas neben sich, das sich erneut bewegte.
Immer wieder versuchte er es zu fassen zu bekommen, aber jedes Mal war es, als würde Drew versuchen durch eine dünne elastische Haut greifen zu wollen, an der seine Hand abrutschte.
Wenig später schlief er ein ohne herausfinden zu können, was neben ihm war. Es hatte ihn zu sehr angestrengt auch nur seinen Arm zu bewegen.
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Als er wieder wach wurde, sah er in dem trüben Licht verschwommen etwas vor seinem Gesicht. Drew versuchte zu erkennen was das war.
Neben sich fühlte er eine weitere Bewegung und verwirrt bemerkte er auch, dass ihn etwas an der Hüfte streifte.
Das Etwas vor ihm bewegte sich wieder. Und dann öffnete es sein Maul.
In einer einzigen Sekunde wusste er, was er da sah, und obwohl es keinen Sinn ergab, erkannte er ganz deutlich das Maul und den Kopf eines Drachens.
Im trüben Halbdunkel vor ihm war ein Drache und allein die Tatsache, dass der Kopf kaum größer als sein eigener war, beruhigte ihn:
Dies war ein Drachen-Baby.
Das Junge sah ihn an, schloss das Maul, dann die Augen und schien einzuschlafen.
Erschrocken tastete er weiter vor sich, spürte, dass da tatsächlich ein Körper war, einer der dem eines Drachen nahe kam, denn da waren sowohl Flügel, als auch Schwanz und Klauen - aber klein und harmlos. Die Haut so weich, dass er sie kaum mit den stahlharten Schuppen vergleichen konnte, die Drachen normalerweise besaßen.
Doch da war auch immer noch die Haut, die wie eine durchsichtige Decke das Geschöpf umgab und auch seinen Körper umhüllte. Sie verhinderte, dass er sich vernünftig bewegen konnte, geschweige denn noch näher an das Drachenjunge herankam. Aber auch, dass er weiter davon wegrückte.
Wo war er nur?
Und wieso war er gefangen?
Verwirrt beschäftigte er sich eine Zeit lang damit die Haut abzutasten in der er sich wie in einer Decke eingewickelt fand, aber sie schien ihn völlig zu umschließen und es gelang ihm erst recht nicht sich daraus zu befreien.
Ein Stoß von hinter ihm machte ihm wieder einmal schmerzhaft klar, dass er nicht allein war. Unfähig sich herumzudrehen, schaffte er es wenigstens trotz der Haut, die ihn umhüllte, mit einem Fuß zurückzutreten.
Und prompt fühlte er, wie das andere Etwas aufhörte sich so hektisch zu bewegen wie gerade noch.
Drew versuchte den Kopf zu drehen und sah über sich etwas helleres Licht, gedämpft, rötlich-bläulich.
Seine Sinne funktionierten - nein er war nicht verrückt.
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Die Drachenbabies waren nicht zimperlich. Obwohl sie keine Zähne zu haben schienen waren ihre Kiefer stark und sie schnappten nach ihm oder traten zu, wenn er ihnen im Weg war.
Er bekam dies nur allzu oft zu spüren. Auch wenn die seltsame, halbdurchsichtige Hülle, die sie alle einzeln umgab verhinderte, dass sie ihm wirklich weh tun konnten.
Ihm blieb kaum anderes übrig als zurückzuboxen, bis die Beiden gemerkt hatten, dass er, obwohl er ebenfalls nicht beißen konnte, genauso kräftig war und es nicht leiden konnte, wenn sie ihn traten.
Es gab Dinge, die er noch immer nicht verstand.
Und trotzdem akzeptierte.
Er wusste - oder ahnte vielmehr - im Gegensatz zu den Geschöpfen neben sich, dass das Weiche um sie herum ein großer Drache sein musste.
Er wagte sich gar nicht auszumalen, wie er in diese Situation geraten war, doch er war lieber hier als im Magen des Ungeheuers.
Eine Ironie bei der ihm jedoch kaum zum Lachen zumute war.
Er hörte ihr tiefes und ruhiges Atmen, ihren Herzschlag und spürte, wenn sie sich bewegte.
Als Drew die schreckliche Erkenntnis, im Bauch eines Drachen zu sein, erst einmal akzeptiert hatte, hatte er bald schon das Gefühl gehabt, dass die "Mutter" nicht nur wusste was hier vorging, sondern ihren Nachwuchs bereits jetzt umsorgte indem sie mit ihnen sprach.
Das leise Zischen beispielsweise klang immer dann beruhigend, wenn seine "Geschwister" heftiger strampelten. Oder wenn sie sich um den weniger werdenden Platz stritten, da sie noch immer zu wachsen schienen.
Er hatte immer gedacht alle Drachen würden Eier legen, aber hier schien das nicht der Fall, oder aber die feste Eihülle wurde erst noch gebildet. Drew kannte sich zu wenig mit Drachen aus, aber eine andere Erklärung hatte er nicht.
Noch eindringlicher als die beruhigenden Laute aber waren die Worte gewesen, die die Drachenmutter an sie gerichtet hatte.
Er wusste, dass Drachen sprechen konnten, nur hatte er sich niemals vorstellen können, dass sie liebevoll sein konnten.
"Die Enge ist bald vorüber. Haltet noch ein paar Tage still ihr Kleinen" - er hatte die Bedeutung dieser Worte genau begriffen, obwohl er nie zuvor eine ähnliche geistige Verbindung erlebt hatte.
Seine Hände hatten seinen nackten Körper längst abgetastet. Der ehemalige Krieger wusste, dass er kein Drache war, aber auch kein Mensch mehr.
Er war irgendetwas anderes. Ein Mischwesen. Mit Flügeln, Schwanz und auch Schuppen.
Drew wusste nicht wie so etwas überhaupt möglich war. Doch wenn die Mutter nicht beunruhigt war, wieso hätte er es dann sein sollen?
"Dir werden alle Fragen beantwortet. Doch auch du musst dich in Geduld üben", hörte er ihre Worte. Nein, er fühlte sie. Sie klangen belustigt. Aber auch beruhigend und vor allem autoritär.
Er wagte nicht sich zu Widersetzen, noch sie jemals wieder zu treten.
(c) Susanne Forster & Tjörn Sinzig
Kontakt: www.boronk.de oder www.virtualwords.de
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Autor: Gastautor
Der Gastautor wird als Pseudo-Autor für Artikel verwendet, die nicht von GB-Redakteuren stammen.
Der eigentliche Autor wird gewöhnlich unter dem Text genannt. Außer es handelt sich um einen anonymen Artikel.
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