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Die spinnen, die Römer

Seid gegrüßt Gladiatoren und Fürsten,

mein Name ist Anonymós, ich komme aus dem fernen Griechenland und war zu Beginn meiner Reise ein friedliebender Wanderer. Meine Reise? Ja, meine Füße und ein Muli trugen mich den beschwerlichen Weg in eure Gefilde und dort erlebte ich wahrlich wunderliches. Das Reisen tut, wie schon meine Philosophenkollegen merkten, dem Kopfe gut. Doch scheint mir trotz zahlreicher ausführlicher Betrachtungen, dass sich hier im jungen Rom und auf seinen Hügeln die Welt verkehrt hat.
Böses gibt es immer und überall, wirklich Böses. Doch so sicher wie die Hyksos die Bösen waren, als sie ins strahlende Reich des Aigypthos eindrangen und so sicher, wie die fürchterlichen Perser dafür in den Hades fahren könnten, dass sie ihre gierigen Finger nach Europa ausstreckten, so unsicher und verwischt sind die Grenzen zwischen Gut und Böse hier im jungen Reich der Wolfskinder Romulus und Remus.

Wochenlang habe ich nun das Geschehen beobachtet und stelle mir eine einzige Frage. "Wird das selbsternannte Böse daran zugrunde gehen, dass sie ehrbarer und ehrlicher kämpfen als die selbsternannten Guten?"
Meine Freunde in Griechenland werden mich löchern, wie ich zu dieser unglaublichen Vermutung käme - deshalb möchte ich es erläutern.

Ihr Römer! Wie kann es sein, dass sich nicht nur eine einzige "böse" Gemeinschaft - auch Allianz genannt - sondern gleich mehrere weigern, innerhalb eines Monats öfter als ein mal ihre "guten" Feinde anzugreifen. Nicht alle Böse freilich folgen dem Ehrenkodex. Einige halten ihn mehr für Richtlinien, doch andere halten sich strikt daran. Ob ihnen die Ziele ausgehen, ob diese Allianzen mit 90% ihrer Mitglieder vor ihren Toren standen, ob bei einem Rachefeldzug nur eine Handvoll Mitglieder der "guten" Allianz zu Hause waren und die meisten von ihnen noch ihre Rüstungen tragen - sie rücken nicht von ihrer Meinung ab.

Delirant isti Romani!

Die Guten dagegen... bei den Göttern, meine Freunde zu Hause, wenn ihr diese sehen könntet! Solche Massen in Zeiten, in denen die Arenen zusammenfallen und immer mehr Gladiatoren die Arenen für immer verlassen, solch Nachtaktivität, solch Grausamkeit, vereint unter einem Banner! Nicht weniger als 40 Allianzen, so wurde mir zugetragen, hackten momentan auf das Böse der Welt ein. Sie beten die Sonne an, anstatt sich im Schatten zu verstecken; sie schießen mit feurigen Pfeilen und nehmen alles mit, was nicht in den Gebäuden verbaut oder in den Tunnelsystemen verstaut ist. Entsteht ihnen nur der geringste Verdacht, sie könnten etwas ihrer Beute übersehen oder vergessen haben, so reagieren sie unverzüglich und greifen an, auch wenn sich die betroffene böse Allianz gerade erst einige Tage zuvor ausgeräumt wurde.

Delirant isti Romani!

Ihr glaubt mir nicht, meine Freunde? Dann lasst euch gesagt sein: Haltet es in meiner fernen Heimat so, wie es immer war und lernt nicht von den Römern. Zu verfluchen sei der Tag, an dem auch nach Griechenland übergehe der Brauch, dass die Guten böser sind als die Bösen, die Bösen aber, wie mir zugetragen wurde, gerade 25 Allianzen stark, einem guten Ehrenkodex folgen, der ihnen nichts als Niederlagen und Schmerz einbringt! Er ist der Anfang des Endes, denn wenn schon Gut und Böse ihre Ziele und Handlungsweisen verwechseln, wie lange wird es dann dauern, bis Tag Nacht ist und Nacht Tag und alles untergehen wird?

Ihr Guten dieser Welt, lasst euch gesagt sein: Ohne das Böse kann es nichts Gutes geben. Verfluchen werdet ihr den Tag, an dem ihr, nur um zu siegen, begannt, ohne Fairness zu spielen um das Schicksal der Bösen zu besiegeln.
Ihr Bösen dieser Welt, lasst euch gesagt sein: Kämpft ihr weiter gegen alle Vernunft ohne jede Hinterhältigkeit, wird es EUCH bald nicht mehr geben.
Verfluchen werdet ihr den Tag, an dem ihr, nur um fair zu spielen, eure Boshaftigkeit aufgabt und euer Schicksal besiegeltet.

Meine griechischen Freunde, ihr sagtet mir, wohin auch immer mich meine Reise führe, eure Gebete sollten mich begleiten, wohin der Wind mich auch immer trage.
Mögen eure Gebete auch die italischen Gladiatoren und Fürsten erreichen und verhindern, dass zwei Welten in einer hier zugrunde gehen!!

Um es in eurer Sprache zu sagen, Romani:
Quidquid agitis, prudenter agatis et respicite finem!



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Autor: Gastautor

Der Gastautor wird als Pseudo-Autor für Artikel verwendet, die nicht von GB-Redakteuren stammen.
Der eigentliche Autor wird gewöhnlich unter dem Text genannt. Außer es handelt sich um einen anonymen Artikel.
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