Bislang habe ich sechsundsechzig Sprichwörter und Redewendungen beschrieben, deren Wurzeln bis in die Antike, deren wahre Begebenheiten und auch deren Sagen zurückgehen. In dieser Ausgabe widme ich mich den vorläufig letzten acht Radewendungen.
Hintergründe, Herkünfte, Bedeutungen von diesen bekannten und teils auch unbekannten Aussprüchen habe ich nun neun Monate lang erläutert. Wer ein Sprichwort findet, das in das “Antike in der modernen Umgangssprache”-Konzept passt, kann mich ansprechen/-schreiben und ich werde gerne in einer der kommenden Götterboten-Ausgaben dieses erläutern.
Ein Danaergeschenk sollte man meiden, denn es ist schädlich für den Beschenkten.
Mit Danaer werden die Griechen bezeichnet. In der Ilias von Homer beschreibt er den Krieg um Troja. Das Geschenk der Danaer war ein hölzernes Pferd, welches die Trojaner in ihre Stadt holten. Im Inneren des Pferdes wartete der Held Odysseus mit seinen Gefährten darauf, dass die Trojaner schliefen und öffnete dann seinen danaischen Kampfgefährten die trojanischen Stadttore.
Allein durch dieses Danaergeschenk konnte Troja von den Griechen eingenommen, geplündert und geschleift werden.
Der Begriff Dioskuren wird selten verwendet. Goethe und Schiller werden als Dioskuren bezeichnet.
Die Dioskuren der Antike waren Castor und Pollux waren Halb- und Zwillingsbrüder. Pollux war Sohn des Zeus, sein Bruder Castor jedoch Sohn eines Menschen. Der Gottessohn war ein Halbgott und somit unsterblich, Castor war ein Sterblicher und im Kampfe fiel er. Sein Bruder Pollux bat Zeus daraufhin auch sterben zu dürfen, da er seinem Zwillingsbruder sehr nahe stand und nicht ohne ihn leben wollte. Zeus stellte seinen Sohn vor eine Wahl: Entweder dürfe er von nun an immer im Olymp leben oder aber er würde zusammen mit seinem Bruder abwechselnd einen Tag im Olymp und einen Tag im Hades, der Unterwelt, verbringen. Pollux entschied sich für letzteres.
Männer, die sich sehr nahe stehen und beide eine besondere Berühmtheit erlangt haben, bezeichnet man als Dioskzren.
Einen Ikarus Flug hinlegen bezeichnet den Aufstieg eines Menschen, der zu hoch hinaus will und dadurch zu Fall kommt.
Ikarus, der Sohn Daedalus, wurde mit seinem Vater gefangen gehalten, da Daedalus als Erbauer des Labyrinths von Kreta den Weg durch das Ganggewirr kannte und kein Sterblicher davon erfahren durfte. Daedalus umzubringen brachte der König Minos nicht über sich, galt Daedalus doch als größter Künstler der damaligen Zeit. Ikarus Vater sammelte Vogelfedern und fügte sie durch Wachs zu großen Flügeln zusammen. Mit ihrer Hilfe flohen Vater und Sohn aus ihrem Gefängnis. Trotz der Warnung des Vaters stieg Ikarus zu hoch auf, wollte er doch in seiner kindlichen Unbesonnenheit die Sonne berühren. Die Sonne jedoch schmolz das Wachs zwischen den Federn seiner Flügel und er stürzte ins Meer, das nach seinem Sturz benannte ikarische Meer.
Eine Junonische Gestalt kann nur die Gestalt einer hoheitsvollen Frau sein, die reif, schön und erhaben ist.
Iuno war im römischen Götterpantheon die höchste Göttin, die Gemahlin des Iupiter. Sie war hoheitsvoll, reif, von großer Schönheit und erhaben. Kein wunder also wenn man nach ihrer Gestalt Frauen von gleicher Art bezeichnet, auch wenn sie menschlich und sterblich sind.
Ein Mäcen ist jemand, der die Kunst fördert und sich sehr freigebig in dieser Hinsicht zeigt.
Gaius Maecenas lebte im letzten Jahrhundert vor Christus, war Vertrauter und Berater des Kaisers Augustus, und liebte die Kunst. Er spendete den Künstlern Horaz und Vergil Geld und half ihnen in finanzieller und materieller Not.
Sein Name lebt nun fort als Titel für die Förderer der schönen Künste.
Wer die Penne besucht, geht noch zur Schule. Alle Schulen sind damit gemeint, auch wenn in letzter Zeit das Wort immer häufiger für Gymnasien genutzt wird. Ein Pennäler ist somit ein Schüler.
Die Worte stammen keineswegs vom pennen ab, welches das Schlafen meint. Pennale ist lateinisch und heißt übersetzt Federkasten. Die Beamten, Schreiber und anderen Berufstätigen, die schreiben mussten, hatten ihre Schreibutensilien auf der Arbeitsstelle. Einzig die Schüler mussten ihre Schreibgeräte in dem Kasten mit zur Schule bringen und waren somit als Pennal-Träger, als Pennäler kenntlich.
Bekommt jemand ein Panegyrisches Lob, so ist das Lob uneingeschränkt und lässt keinen Tadel zu, schließt Tadel sogar komplett aus.
Eine Panegyrikus ist eine Rede, die die Menge so begeistern soll, dass sie nach der Rede mit dem Redner übereinstimmt. In der Antike während der Zeit der römischen Kaiser und Könige wurden die Lobreden der Beamten auf die Herrscher Panegyrikus genannt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in der Antike eine Panegyrikus bald zu einer Rede unangemessenen Lobes und Schmeicheleien wurde. Das Lob des Herrschers jedoch war jedoch nicht tadelbar, so schließt sich der rote Faden der Bedeutung an die heutige Aussage des Sprichworts.
Die Sophisten Moral ist eine rein äußerliche Moral, die nicht die Überzeugung desjenigen darlegt, der sie vorträgt.
Die Sophisten waren Philosophen, Zeitgenossen des Sokrates. Im Gegensatz zu Sokrates lehrten sie nicht entgeltfrei und um ihrer selbst Willen. Ihre Lehrstunden kosteten sogar recht viel. Sophisten suchen alles im Äußerlichen. Da sie Meister der Rhetorik waren konnte ihnen kaum jemand so widersprechen, dass sie den Widerspruch gelten ließen. Die sittlichen Gesetze und den Götterglauben straften die Sophisten mit Geringschätzung und das Wissen an sich negieren sie.
Daraus wird also deutlich, was die Moral eines Sophisten ist.
